Zitate von Arthur Schopenhauer (1788-1860)
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Schopenhauer über das Leben (realistische Erwartungshaltung):
- Das Leben ist ein sinnloses, leiderfülltes Abenteuer.
- Das Leben ist kein Geschenk genossen zu werden,
sondern ein Pensum zum abarbeiten. [1848?]
- Das Leben gleicht einer Seifenblase,
die wir so lang als möglich erhalten und aufblasen,
doch mit fester Gewißheit, daß sie platzen wird.
[Kzb,S.77]
- Das Leben schwingt, gleich einem Pendel, hin und her,
zwischen dem Schmerz und der Langeweile. [Kzb,S.77]
- Sagt doch schon der Koheleth (7,2) `Der Tag des Todes
ist besser denn der Tag der Geburt.' [1848,V.D]
- Das einzige Glück besteht darin, nicht geboren zu werden.
[Kzb,S.51]
- Alle Dinge sind herrlich zu sehn,
aber schrecklich zu sein. [1848,V-D]
- Keine Rose ohne Dornen.- Aber manche Dornen ohne Rosen.
[Kzb,S.107]
- Auf der Bühne spielt der einer der Fürsten,
ein andrer den Rat;
ein dritter den Diener oder den Soldaten oder den General usf.
Aber die Unterschiede sind bloß im Äußern vorhanden;
im Inneren, den Kern einer solchen Erscheinung,
steckt bei allem dasselbe: ein armer Komödiant
mit seiner Plage und Not.
Im Leben ist das auch so: Die Unterschiede des Ranges und Reichtums
geben jedem seine Rolle zu spielen;
aber keineswegs entspricht dieser eine innere Verschiedenheit des Glücks
und Behagens, sondern auch hier steckt in jedem derselbe Tropf
mit seiner Not und Plage ...
[1848,I]
-
Es ist wirklich unglaublich,
wie nichtssagend und bedeutungsleer,
von außen gesehen, und wie dumpf und besinnunglos,
von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt.
Es ist ein mattes Sehnen und Quälen,
ein träumerisches Taumeln
durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode,
unter Begleitung einer Reiher trivialer Gedanken.
Sie gleichen Uhrwerken,
welche aufgezogen werden und gehen,
ohne zu wissen warum;
und jedes Mal, daß ein Mensch gezeugt und geboren worden,
ist die Uhr des Menschenlebens auf Neue aufgezogen, um jetzt ihr
schon zahllose Male abgespieltes Leierstück abermals zu wiederholen,
Satz vor Satz und Takt vor Takt,
mit unbedeutenden Variationen.
[Kzb,S.88]
Schopenhauer's Ratschläge zum Leben (Geistige Arbeit und Networking):
- Nicht dem Vergnügen, der Schmerzlosigkeit
geht der Vernüftige nach. [1848,V.A]
-
Der geistreiche Mensch wird vor allem nach Schmerzlosigkeit,
Ungehudeltsein, Ruhe und Muße streben, folglich ein stilles,
bescheidenes, aber möglichst unangefochtenes Leben suchen
und dem gemäß nach einiger Bekanntschaft
mit den sogenannten Menschen die Zurückgezogenheit
und bei großem Geiste sogar die Einsamkeit wählen.
[1848,II]
- Ein solches intellektuelles Leben schützt aber nicht nur gegen die
Langeweile, sondern auch gegen die verderblichen Folgen derselben. ...
So hat z.B. mir meine Philosophie nie etwas eingebracht;
aber sie hat mir sehr viel erspart.
[1848,II]
- Wer auf die Welt gekommen ist,
sie ernstlich und in wichtigen Dingen zu belehren,
der kann von Glück sagen, wenn er mit heiler Haut davon kommt.
[Kzb,S.50]
- `Weder lieben noch hassen'
enthält die eine Häfte der Lebensweisheit,
`nichts sagen und nichts glauben' die andere Häfte.
Freilich aber wird man einer Welt,
welche Regeln wie diese und die nächstfolgendenen
nötig macht, gern den Rücken zukehren.
[1848,V.C.44]
- Zorn oder Haß in Worten oder Mienen blicken zu lassen
ist unnütz, ist gefährlich ist unklug;
ist lächerlich, ist gemein.
Man darf also Zorn oder Haß nie anders zeigen als in Taten.
Letzteres wird man um so vollkommender können,
als man ersteres vollkommener vermieden hat.- Die kaltblütigen Tiere
allein sind die giftigen. [1848,V.C.45]
Schopenhauer's weitere Anmerkungen (Über die Kollegen):
- Die Freunde nennen sich aufrichtig; die Feinde sind es.
[Kzb,S.50]
- Ich rede bisweilen mit Menschen so wie das Kind mit seiner Puppe redet:
Er weiß zwar, daß die Puppe es nicht versteht;
schafft sich aber, durch eine angenehme wissentliche Selbsttäuschung,
die Freude der Mitteilung.
[Kzb,S.86]
- Über mich kann man wohl in der Breite,
aber nicht in der Tiefe hinaus.
[Kommentar zur zukünftigen Philosophie, Kzb,S.101]
- Den Heiseren singen zu hören,
den Lahmen tanzen zu sehn, ist peinlich;
aber den beschräkten Kopf philosophierend zu vernehmen,
ist unerträglich.
[Kzb,S.101]
- Um den Mangel an wirklichen Gedanken zu verbergen,
machen manche sich einen imponierenden Apparat von langen,
zusammmengesetzten Worten, intrikaten Floskeln,
unabsehbaren Perioden, neuen und unerhörten Ausdrücken,
welches alles zusammen dann einen möglichst schwierigen
und gelehrt klingenden Jargon abgibt.
Jedoch sagen sie, mit dem allen, - nichts:
man empfägt keine Gedanken,
fühlt seine Einsicht nicht vermehrt,
sondern muß aufseufzen:
`Das Klappern der Mühle höre ich wohl,
aber das Mehl sehe ich nicht`;
oder auch, man sieht nur zu deutlich,
welche dürftige, gemeine, platte und rohe Ansichten hinter
dem hochtrabenden Bombast stecken.
[Kzb,S.67]
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